Abstracts

Abstracts für den 20. Mai

Bisher liegen die meisten Beiträge nur in der jeweils eingesandten Sprache vor.

Da nicht alle Diskussionsgruppen übersetzt werden können, haben wir sie sprachlich aufgeteilt.

  • Diskussionsgruppen A und D werden gedolmetscht
  • Diskussionsgruppen B läuft ohne Übersetzung in Englisch
  • Diskussionsgruppen C läuft ohne Übersetzung in Deutsch

Gruppe A: Zeitsouveränität I
Wie Zeitwohlstand mit Bedingungslosem Grundeinkommen zu Degrowth führt

Diese Gruppe wird gedolmetscht (deutsch/englisch).

The impact of an unconditional basic income to time welfare in a post-fordist working environment

Katharina Bohnenberger

Die englische Fassung finden Sie hier

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Grünes Grundeinkommen: Zeitsouveränität für Lifestyles of Degrowth

Ulrich Schachtschneider

Die englische Fassung finden Sie hier

Zeit ist unsere wichtigste Ressource. Wie zeitgenössische Wachstums- und Beschleunigungstheoretiker wie etwa Hartmut Rosa überzeugend darlegen, hindert uns in der Moderne zunehmend ein Übermaß an Produkten, Konsum und Ereignissen, sie für das, was wir für ein gutes Leben wichtig finden, einzusetzen: Etwa für entspannende und kreative Muße, freie Persönlichkeitsentfaltung oder echte Freundschaften. Schon der Ökonom John M. Keynes erwartete für seine „Urenkel“ die „wirtschaftlichen Möglichkeiten“ einer wöchentlichen Arbeitszeit von 15 Stunden – endlich Platz für das freie Leben jenseits der Notwendigkeiten. Was also läuft falsch, wenn die meisten Menschen heute nach wie vor das zwei bis dreifache für Erwerbsarbeit verbrauchen?

Der Postwachstumsökonom Niko Paech schlägt eine Halbierung des Konsums und der Erwerbsökonomie vor. Damit würde er der Keynes’schen Vision schon relativ nahe kommen – zumindest was die Erwerbsarbeitszeit angeht. Paech aber geht davon aus, dass die freiwerdenden 20 Std. für Subsistenzpraktiken genutzt werden: Für die Organisierung gemeinschaftlicher Nutzung, die Pflege und Reparatur sowie die Eigenproduktion. Damit würde jeder unabhängig(er) von der Industrieproduktion, von Markt- und Geldzwängen.

Aber welche neue Abhängigkeit von Gemeinschaften, von Netzwerken handle ich mir damit ein? Dies gilt umso stärker, wenn die 20 Stunden Erwerbsarbeit nicht fürs Notwendigste ausreichen, etwa bei Arbeit im Niedriglohnsektor oder bei prekärer Selbständigkeit. Dann können zusammen locker mehr als 40 mühselige Stunden herauskommen.

Meine erste These: Von einer Degrowth-Perspektive aus gesehen ist mehr Subsistenz keineswegs zwingend. Wichtiger für Gutes Leben jenseits des Wachstums ist eine Basis-Lebenssicherheit. Je weniger diese gewährleistet ist, desto mehr ökonomische Aktivitäten werden nur aus purer Existenzangst erhofft, initiiert, aufrechterhalten – kosten sie ökologisch, sozial und individuell was sie wollen. Wer Postwachstum möchte, muss den Druck zu ökonomischen Aktivitäten von jedem Einzelnen nehmen. Das geht am besten mit einem bedingungslosen Grundeinkommen.

Es erlaubt uns, unseren individuellen Mix aus Erwerbsarbeit und Subsistenz zu wählen. Zu Zeitwohlstand gehört wesentlich die Freiheit, die Art der Arbeit, die wir ‚wirklich‘ möchten, zu wählen. Ich kann zwanzig Stunden in der Industrie erfüllt als Spezialist für etwas, für das ich brenne, arbeiten und ergänzend zehn Stunden subsistent und gemeinschaftlich tätig sein. Ich kann aber auch fünf Stunden die Woche irgendwo gegen Geld erwerbstätig sein und 35 Stunden in Gemeinschaft oder selber produzieren. Beides passt zum Ziel einer Postwachstumsökonomie, die auf der Pluralität der Moderne aufbauen muss. Mit einem Grundeinkommen sind verschiedene Lifestyle of Degrowth möglich – unter einer Bedingung: Das Grundeinkommen darf nicht zu neuen ‚Konsumparties‘ führen. Das ist eine häufige Kritik von grüner Seite, und in der Tat können wir nicht sicher sein, dass durch den Umverteilungseffekt nach Unten im Endeffekt genau dies stattfinden wird. In einer offenen Gesellschaft können wir nicht wissen und nicht vorherbestimmen, was genau die Leute unter Zeitwohlstand verstehen werden.

Das führt mich zu meiner zweiten These: Wir können eine solche Interpretation von Zeitsouveränität zumindest deutlich erschweren (nicht verbieten!), wenn wir Abgaben für problematische Umweltverbräuche erheben (z.B. für CO2-Emissionen, knappe Ressourcen, Nitrateinträge etc) und genau damit das Grundeinkommen finanzieren – ganz oder teilweise. Eine Verteuerung von problematischem Umweltverbrauch unterstützt nicht nur von der Konsumseite her Degrowth. Sie fördert auch eine Änderung der Charakters der Erwerbsarbeit, da sich die Gewichte von Arbeits- und Ressourcenkosten verschieben: Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen, bei denen mehr Zeit gebraucht wird, der ökologische Fußabdruck aber geringer ist, wird dadurch konkurrenzfähiger. Langsamkeit, Achtsamkeit und zeitintensive Mitbestimmung in der Erwerbsarbeit werden zur ökonomisch tragfähigen Option – jenseits von Nischen.

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Gesellschaftliche Arbeitsverhältnisse, individuelle Arbeitszeit, Grundeinkommen und Wachstumsrücknahme

Werner Rätz

Bisher ist keine englische Fassung verfügbar.

Im Kapitalismus musste die ökonomische Tätigkeit der Menschen schon immer so ausgerichtet werden, dass sie möglichst hohe Gewinne für die Unternehmen erzeugt. Wer das dauerhaft verpasste, file der Konkurrenz zum Opfer.

Seit einigen Jahrzehnten gibt es eine Tendenz, die Arbeitsverhältnisse so umzugestalten, dass dieses Risiko von den Unternehmen auf die Arbeitenden verlagert wird. Beschäftigung nur, wenn Aufträge vorliegen (Kurzarbeit, Leiharbeit, flexible Minijobs), Werk oder Honorarvertragsverhältnisse, zunehmende (Schein)Selbstständigkeit, Heimarbeit, clickworking nehmen zu und verdrängen zunehmend das, was früher einmal „reguläre Beschäftigung“ hieß.

Obwohl diese Arbeitsverhältnisse in aller Regel mit Einschränkungen bezüglich Einkommen und sozialer Sicherheit verbunden sind und obwohl sie meist auch deutlich längere Arbeitszeiten bedeuten, werden sie von vielen Menschen keineswegs nur als Notlösung akzeptiert, sondern freiwillig aufgesucht. Gewonnen wird in ihnen nämlich nicht nur eine Abwechslung in den Tätigkeiten, sondern auch ein Maß an eigenen Möglichkeiten der Zeitgestaltung, das sich sonst kaum findet.

Das hat zwei Konsequenzen, auf die bisherige Systeme sozialer Sicherung keinerlei Antwort bereithalten. Erstens sind diese Arbeitsverläufe und sie daraus resultierenden Einkommen so unregelmäßig, dass sie keine Basis für eine umfassende und zuverlässige soziale Sicherheit mehr darstellen. Zweitens führt diese Ungewissheit, die Frage, wie geht es weiter, was verdiene ich morgen, dazu, dass die Arbeitenden in der Tendenz jeden Auftrag annehmen (müssen), um für die Zukunft gewappnet zu sein. Das immer schnellere, immer mehr, immer gewinnträchtigere Produzieren führt gesellschaftlich zu einem immer weiter steigenden Stoff und Energieverbrauch. Für die kapitalistischen Unternehmen entsteht der Zwang dazu aus der Konkurrenz. In modernen Arbeitsverhältnissen entsteht derselbe Druck auf die einzelnen Arbeitenden aus der systematisch unsicher Zukunft. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglicht es den Betroffenen, einerseits ihre Produktivität und Arbeitszeit selbstständig zu gestalten, und anderseits dabei nicht unablässig arbeiten zu müssen.

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Gruppe B: Zeitsouveränität II
The Ambiguity of UBI driven Time Sovereignty.

Diese Gruppe wird in Englisch und ohne Übersetzung stattfinden

Basic income between economic growth and degrowth. Positions among activists for the popular initiative in Switzerland

Tobias Krall

Die englische Fassung finden Sie hier

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From basic income to transformations of work and into degrowth?

Hanna Ketterer

Die englische Fassung finden Sie hier

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Is the new ‚different‘ really different? Thoughts on escaping the instrumentalist social logic of accumulation and acceleration

Judith Kleibs

Die englische Fassung finden Sie hier

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Gruppe C: Solidarische Ökonomie / Alternative Ökonomie I
Zwischen Handwerk und 3. industrieller Revolution: Effekte des Bedingungslosen Grundeinkommen auf verschiedene Formen von Arbeit

Diese Gruppe wird in Deutsch und ohne Übersetzung stattfinden.

Grundeinkommen als Chance für eine blühende, lokale und nachhaltige Wirtschaft

Christine Ax

Die englische Fassung finden Sie hier

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Die 3. industrielle Revolution und ihre Effekte auf Arbeitszeiten unter den gegenwärtigen ökonomischen Rahmenbedingungen ; zu Visionen, Möglichkeiten und Träumen in der Welt des Profits, der Kosten und des Wachstums

Eva Nalbach

Die englische Fassung finden Sie hier

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Bedingungsloses Grundeinkommen und Gemeinwohlökonomie: Schwierige Beziehungskiste oder doch ein Traumpaar?

Otto Lüdemann und Bernd Fittkau

Die englische Fassung finden Sie hier

Es geht um die Beschreibung des Verhältnisses von Grundeinkommens- und Gemeinwohlökonomie-Bewegung. Ein direkter Vergleich ihrer jeweiligen operativen Ziele verbietet sich; weder erhebt die GWÖ den Anspruch, für die soziale Sicherheit aller Menschen zu sorgen, noch ergibt sich aus einem BGE direkt eine stärkere Gemeinwohlorientierung der Unter-nehmen. Sinn macht es jedoch, beide unter dem Blickwinkel des ihnen zugrunde liegenden Werterahmens zu betrachten. Der Werterahmen der GWÖ zeigt sich am augenfälligsten in der von ihr propagierten „Gemeinwohlbilanz“, die sich an Werten wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie demokratische Mitbestimmung und Transparenz orientiert. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ausgezahlt an jeden Menschen in existenzsichernder Höhe, basiert auf den Werten der ökonomischen Basissicherheit, sozialer Gleichheit und der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Setzt man beide Werterahmen in Beziehung, zeigt sich deren Komplementarität; zumindest insoweit, als die für die GWÖ maßgeblichen Werte auch den in und mit einer Grundeinkommensgesellschaft angestrebten Zielen entsprechen. Ein „Degrowth-Ziel“ wird derzeit explizit von keiner der beiden Bewegungen angestrebt, steht aber auch nicht im Widerspruch zu ihrem Werterahmen, liegt vielmehr durchaus nahe. Offen ist zunächst auch, ob ein den BGE-Kriterien entsprechendes Grundeinkommen sich widerspruchsfrei in die ökonomische Praxis von GWÖ-Unternehmen einfügt. Hier setzt die Diskussion an, z.B. mit der Sorge von GWÖ-Unternehmen, die Arbeitsmotivation könne bei Einführung eines BGE leiden oder sie könnten unter dem Druck des Finanzierungszwangs für ein BGE auf den Pfad der Gewinnmaximierung zurückgezwungen werden. Solche Sorgen erweisen sich jedoch bei näherer Betrachtung als unbegründet; umso mehr als gerade die Finanzierung eines BGE, etwa mittels Ökosteuern (Schachtschneider) oder mittels einer an ökosozialen Kriterien orientierten Körperschaftssteuer-Reform (Lüdemann), Perspektiven für eine enge Kooperation oder gar Verzahnung beider Bewegungen eröffnet. Möglich wird dies durch Schaffung von spezifischen Steuerspar-Anreizen bei sozialökologisch wünschenswertem Verhalten und Handeln. Ein Finanzierungsmix aus unterschiedlichen derartigen Ansätzen wäre erwünscht.

Das Fazit lautet: Das gemeinsame Ziel sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit wird von GWÖ und BGE auf unterschiedlichen Wegen verfolgt, aber beide haben das Potenzial, sich gegenseitig zu stärken. Sie stehen damit nicht für Wunschträume in einem fernen Utopia, sondern eignen sich gerade als komplementäre Bestandteile für den Weg dorthin, nämlich als Elemente einer durchaus realistischen „Übergangsökonomie“ (Fittkau).

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Gruppe D: Solidarische Ökonomie / Alternative Ökonomie II
Wie kann ein Bedingunsloses Grundeinkommen Care-Arbeit und Umwelt unterstützen?

Diese Gruppe wird gedolmetscht (deutsch/englisch)

Care-revolutionäre Perspektiven auf Degrowth und Bedingungsloses Grundeinkommen

Sandra Antelmann

Die englische Fassung finden Sie hier

Derzeit lässt sich beobachten, dass gegenüber der scheinbaren Alternativlosigkeit des vorherrschenden (kapitalistischen Markt-)Wirtschaftssystems vielfältige alternative Ansätze wieder aufleben bzw. neu entstehen, die das „Imaginäre“ (Latouche) des Wachstums in Frage stellen. Doch eine explizite Geschlechterperspektive fehlt dabei meist. In meiner Diplomarbeit „Suffizienz, Commons und Care – Ansätze urbaner Postwachstumsbewegungen“ habe ich mich daher aus der Perspektive einer Feministischen Politischen Ökologie mit (queer-)feministischen Ansätzen alternativer Ökonomien wie Ecommony (Habermann) und Care Economy (auch caring for naturecultures / Puig de la Bellacasa, Vorsorgendes Wirtschaften / Biesecker et al.) beschäftigt, ihre Reflexionsverhältnisse untersucht (Carecommony), sie auf die städtische Ebene bezogen (Harvey, Hardt/Negri) und am Beispiel Urban Gardening und Permakultur illustriert.

Derzeit bereite ich ein Promotionsprojekt vor, in dem ich einen konvivialen Ansatz einer Carecommony in Bezug auf urbane Widerstandsbewegungen entwickeln möchte.

Aktuell organisiere ich zudem gemeinsam mit vielen Initiativen, Projekten und Bewegungen, wie Solidarischer Ökonomie, Bedingungslosem Grundeinkommen, Gemeinwohl-Ökonomie und Care-Revolution, in Hamburg eine „Wandelwoche – ein gutes Leben für alle ist möglich!“ (9.-14. Oktober). All diese Ansätze stehen dem dominierenden Diskurs in der Nachhaltigkeitsdebatte, nämlich Green Growth bzw. Smart Growth mittels technologischer Innovationen und einer damit angestrebten Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltverbrauch – die bisher empirisch immer durch so genannte Rebound-Effekte konterkariert wurde – entgegen. Zudem diagnostizieren insbesondere Feminist_innen multiple Krisen: Ökonomie, Ökologie und Soziale Reproduktion und betonen die Nachhaltigkeitsstrategie der Suffizienz, und zwar nicht als individualisierten Verzicht, sondern gesellschaftspolitisch nach dem Motto „Niemand soll immer mehr haben wollen müssen“ (von Winterfeld).

Ziel der Care-Revolution und des Vorsorgenden Wirtschaftens ist ein gutes Leben mit Zeit- und Versorgungswohlstand, bedürfnisorientierten Modellen des Sozialen und kollektiven Lebensformen. Dabei überschneiden sie sich mit Debatten um das Bedingungslose Grundeinkommen, indem sie Konzepte von „Arbeit“ hinterfragen und im Sinne der Vielfalt gesellschaftlich notwendiger Tätigkeiten jenseits der Lohnarbeit neu definieren. Ein BGE könnte dabei helfen, eine geschlechtergerechte Arbeitsteilung hervorzubringen und die Dichotomisierungen und Hierarchisierungen zwischen Produktion und Reproduktion aufzulösen, z.B. im Konzept der ReProduktivität im Ansatz des Vorsorgenden Wirtschaftens, das auch die Produktivität der „Natur“ beinhaltet.

Um Wirtschafts- und Naturverhältnisse sozial-ökologisch umzugestalten, braucht es Einstiegspunkte und Übergangsstrategien. Viele Initiativen experimentieren bereits in der Alltagspraxis mit alternativen Ansätzen wie Solidarische Landwirtschaft oder Mietshäusersyndikat.

Diese kreative Vielfalt kann kollektive Lernprozesse in Gang setzen, in denen sich das Verständnis über das, was begehrenswert und notwendig ist, allmählich verändert (Muraca) und neue (post-kapitalistische) Vorstellungen des „Werdens von Gemeinschaften“ (Gibson-Graham) ermöglicht werden.

In meiner Promotion werde ich einige dieser Praxen und Bewegungen empirisch erforschen und nach Unterschieden, Gemeinsamkeiten und möglichen Synergien zwischen ihnen fragen.

Ein BGE könnte die Basis bilden für mehr Commoning und mehr Caring – zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur_innen in einer Postwachstumswelt.

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How to compensate for social and environmental reproduction?
– Two dilemmas, one common solution –

Nina Šoštarič

Die englische Fassung finden Sie hier

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Grundeinkommen und (Um-)Verteilung

Ingrid Wagner

Die englische Fassung finden Sie hier

Umverteilung von Einkommen und Arbeitszeit ist ein positiver Begleitumstand der herbeigewünscht wird als auch bereits festgestellt wurde bei den verschiedenen Modellprojekten, die ein solches Grundeinkommen probeweise einführten. Auf der anderen Seite ist gerade dieser Umstand Anlass für Angst und umso stärkeres Festhalten an Machtpositionen und Zugang zu Ressourcen. Die großartige und umfangreiche Vielzahl dringlicher Appelle für eine andere Ökonomie, die sich auf Gemeinschaften stützt und auf Non-Profit Basis produziert, hat bereits bewiesen, dass sich etwas ändern muss. Meine Absicht ist zu zeigen, dass die Einführung eines Grundeinkommens hilfreich wäre für solche Projekte nicht vorrangig profitorientierter Alternativer Ökonomie – ganz egal wo auf der Welt das Projekt stattfindet. Die CSA Projekte (Community supported agriculture) praktizieren diese alternativen Wege schon erfolgreich, um den mangelnden Zugang zu Land, Reichtum oder Maschinen mit einem gemeinschaftlich organisierten Lebensmittel- anbau und -Versorgung zu kompensieren, die eine Ermutigung darstellt für diejenigen, die den Zugang zu den erforderlichen Produktionsmitteln nicht alleine leisten können (hierdurch wird Souveränität über die Versorgung mit Lebensmitteln wiedererlangt). Insoweit wird auch die moderne Wiederbelebung früherer Gemeingüter erlangt als auch die Notwendigkeit für ein Grundeinkommen betont, da es gegenwärtig für die meisten notwendig ist zu kaufen, was früher – in vorkapitalistischer Zeit – der Allgemeinheit zur Verfügung stand.

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Open Space

Die folgenden Vorschläge sind während des Open Calls eingereicht worden und wurden als Beiträge zum Open Space akzeptiert.

Weitere Vorschläge für den Open Space sind willkommen und werden zu Beginn des Open Space gesammelt. Die Zuordnung der Räume und Zeiten wird dann kurzfristig anhand der Präferenzen der Teilnehmenden vorgenommen. Mindestens 12 Gruppen werden möglich sein.

Konflikt zwischen BGE und Degrowth und eine mögliche Lösung

Martin Finger

Die englische Fassung finden Sie hier

Bei der Finanzierung eines Grundeinkommens wird bei den in der Politik diskutierten Modellen primär von einer Belastung von (Erwerbs-)Einkommen oder Konsum ausgegangen. Das bedeutet: selbst wenn ein Grundeinkommen zunächst finanziert wäre, dürften in der Folge weder Erwerbsarbeit noch Konsum im größeren Umfang vermindert werden, da sonst die Finanzierungsbasis gefährdet würde.

Mein Vorschlag zur Lösung dieses Konfliktes ist die Verwendung einer elektronischen Komplementärwährung mit dem Namen Credere. Credere funktioniert nach zwei einfachen Regeln. Die erste Regel definiert die Geldschöpfung. Credere wird guthabenbasiert erzeugt und als Grundeinkommen ausgezahlt. Der monatliche Betrag liegt zwischen 100 Credere und 1.000 Credere pro Person. Die Höhe richtet sich nach der Beteiligungsquote innerhalb eines Landes, da die Verwendung der komplementären Währung freiwillig ist. Die zweite Regel definiert die Geldvernichtung. Diese liegt bei 1 % pro Monat bzw. 12 % pro Jahr. Damit würde direkt im Geldsystem ein Gegengewicht verankert, welches einer Vermögensansammlung durch den Zinseszinseffekt entgegen wirkt.

Erst wenn ein Grundeinkommen grundsätzlich von wirtschaftlicher Aktivität entkoppelt funktioniert, können Menschen auch individuell Freiheit und damit Souveränität über ihre Zeit gewinnen. Dies ist die wichtigste Voraussetzung, um eine Gesellschaft zu ermöglichen, in welcher Arbeitsplätze aufgegeben werden können. Dadurch kann ein großes Potenzial zur Schonung von Ressourcen und Natur erschlossen werden. Denn jeder Arbeitsplatz welcher nicht mehr benötigt wird, weil Menschen nicht mehr irgendetwas produzieren müssen, um ein Einkommen zu erhalten, spart mehr und schneller Ressourcen ein, als es eine Minderung des Konsums vermag. Mittelfristig kann dies auch zu einer anderen Ökonomie führen, in Form einer bedarfs- und bedürfnisorientierten Wirtschaft. In dieser würde nur noch etwas produziert werden, wenn es gilt Bedürfnisse von Menschen zu stillen und nicht, um Vermögen auf Kosten anderer anzuhäufen.

Ein Grund, warum Freiwilligkeit auf dem Weg zum Grundeikommen zu bevorzugen ist: Dieser Weg kann sofort begangen werden. Es müssen keine politischen Mehrheiten erkämpft werden. Darüber hinaus kann direkt mit dem Aufbau von Strukturen begonnen werden in denen wir leben wollen, statt sich in Kämpfen zu verausgaben im Versuch, bestehende Strukturen zu verändern. Letztlich werden alle Institutionen von Menschen getragen und solange Menschen keine Alternativen sehen, um ein anderes Leben zu führen, wird es nur bei wenigen Menschen gelingen, sie für ein anderes Leben zu begeistern.

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Das gute Leben für Alle wäre eine Frage der Zeit – Demokratie, Wirtschaft und Grundeinkommen

Stefan Füsers

Bisher ist keine englische Fassung verfügbar.

Die Wirtschaft, begonnen mit den einfachen Tätigkeiten, Arbeiten und Handlungen der Menschen bis hin zum industriellen Rohstoffabbau und dem weltweiten Verbrauch und Missbrauch, inkl. aller ökologischen Konsequenzen und Kapitalaktivitäten an den Börsen, funktioniert offensichtlich größtenteils abseits demokratischer Strukturen. Dies haben zahlreiche Autoren, allen voran der Kultur- und Literaturwissenschaftler Joseph Vogel in „Der Souveränitätseffekt“ eindrucksvoll belegt. Diese Wirtschaft die durch uns alle entsteht hat wiederum einen unglaublichen Einfluss auf unser alltägliches Leben überall auf dem Globus. Diesen gesamten Bereich zurückzuführen in den Bereich der Demokratie muss globales Anliegen sein. Demokratie die übriggebliebenen Werte aktueller westlicher Gesellschaften und deren marode Strukturen, müssen wir unterstützen und vor allem stützen. Dies gebietet sich sobald wir systemisch und ethisch (oder nur moralisch denken).

Mein Input stellt das Grundeinkommen unter dem Aspekt vor, dass jeder in die Lage versetzt wird wirtschaftlich autonom agieren zu können und dadurch jegliche Freiheit, zumindest zeitlich, zu jeglicher demokratischer Aktivität in einer Gesellschaft erhält.

Im Anschluß möchte Ich mit euch darüber diskutieren, wie wichtig das Grundeinkommen für die Erhaltung demokratischer Strukturen, insbesondere in Bereichen der Wirtschaft ist. Wie kann man Betroffene und Verursacher in den Wirtschaftsbereichen politisch erreichen und deren Nutzen einer neuen demokratischeren Organisation von Wirtschaft herausstellen? Was muss neben dem Grundeinkommen passieren, wer macht was und fördert Positives in diese Richtung?

Pathways of thought: common and uncommon ground, aims and direction when it comes to the environment

Jeremy Heighway

Die englische Fassung finden Sie hier

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Degrowth, Grundeinkommen und Erziehung

Gabriele von Moers

Bisher ist keine englische Fassung verfügbar.

Die Dokumentation KannMannFrau (42 min.) begleitet Hausmänner in ihrem Alltag und thematisiert auch den neuen Weg Erziehungsarbeit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen wertzuschätzen. Er möchte so anregen den Schutz der Kindheit zu überdenken. Protagonisten sind u.a. Götz Werner, Sascha Liebermann, Johannes Stüttgen.

Möglicher Diskussionsansatz zum Thema Degrowth: Eine Grundvoraussetzung für den selbstbestimmten Menschen ist das Denken. Dafür brauchen wir Zeit und Aufmerksamkeit. Mit dieser Ressource Aufmerksamkeit gehen wir aber verantwortungslos um. In dem ständigen Zeitdruck, in dem wir uns durch die Erwerbsarbeit befinden, ist dafür immer weniger Platz. Wir haben immer weniger Zeit für immer mehr Dinge.

Die Frage stellt sich, ob ein BGE die nötige Muße wieder ermöglicht, die wir dringend brauchen, um z.B. unseren Kindern das freie, kreative Spiel zu ermöglichen, jenseits aller Terminplanungen, letztlich aber eben auch für uns selber, um schöpferisch tätig zu sein.

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Schirm-Projekt Schutzschirm „Sozialer Frieden“

Doris Rohde

Öko-Euro-Dividende als Experiment

Ulrich Schachtschneider

Die englische Fassung finden Sie hier

Ich möchte die Idee eines Experiments für ein „grün“ finanziertes partielles Grundeinkommen in Europa diskutieren.

Der Grundgedanke ist folgender: Die freiwilligen TeilnehmerInnen bestimmen monatlich ihren „ökologischen Fußabdruck“ mit Hilfe einer Webseite wie zB http://www.mein- fussabdruck.at/. In Abhängigkeit von ihrem „Fußabdruck“ zahlen sie Ökosteuern, die aber an alle zu gleichen Teilen zurückgezahlt werden. Sie bekommen damit eine „Öko-Euro- Dividende“ oder in anderen Worten: Ein partielles Grundeinkommen. TeilnehmerInnen mit kleinem ökologischen Fußabdruck werden mehr erhalten als sie gegeben haben, diejenigen mit einem überdurchschnittlichen Umweltverbrauch werden im Saldo zahlen. Jeder ist dadurch besonders motiviert seinen Fußabdruck zu verkleinern – durch Nutzung anderer Technologien oder durch anderes Verhalten. Aber alle bekommen den gleichen Teil des Aufkommens ohne Bedingungen und können so das Grundeinkommens-Gefühl kennen lernen.

Das Experiment kann mit Wenigen gestartet werden und dann schrittweise anwachsen. Die monatliche Öko-Euro-Dividende wird automatisch bestimmt durch die aufsummierten „Fußabdrücke“, z.B.: 1 gha (globaler Hektar) entspricht 100 Euro (der aktuelle Durchschnittskonsum beträgt ca. 5 gha). Notwendig ist eine Web-Plattform, auf der die TeilnehmerInnen ihren Öko-Fußabdruck berechnen und transparent für alle anzeigen können. Ein/e KämmerIn des Projekts wird die „Ökosteuer“ einziehen, die „Eco-Euro- Dividende“ auszahlen und alles dokumentieren.

Soweit zur Idee. Natürlich verbleiben einige Fragen:
Nur vertrauenswürdige Leute sollten teilnehmen. Aber wie sichern wir dies ab, mit welchen Grundsätzen können wir das überprüfen? Und wie aussagekräftig ist die Messung des ökologischen Fußabdrucks mit der Globale-Hektar-Methode, auch wenn sie ehrlich vorgenommen wird?

Eine Variation könnte sein, zunächst die Geldströme nur zu messen, ohne sie real auszuzahlen: Jeder, der seinen Fußabdruck monatlich kalkuliert und mitteilt, bekommt eine virtuelle Eco-Euro-Dividende.

Das Experiment würde erstens Grundeinkommen und Postwachstum verbinden. Zweitens kann es beiden Themen öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen. Drittens ist es geeignet für die europäische Ebene. Jeder Bürger der Eurozone kann teilnehmen, ohne dass auf die vielen nationalen Besonderheiten der verschiedenen Sozialsysteme der Mitgliedsstaaten Rücksicht genommen werden muss. Die einzige Bedingung ist ein Netzzugang. Und viertens können wir erste empirische Einblicke in den Wandel des Lebensstils und der Arbeitsverhältnisse bekommen, am besten durch eine wissenschaftliche Begleitung.

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Rote und grüne Konzepte eines Grundeinkommens – Bausteine für einen sozial-ökologischen Umbau

Gabriele Schmidt

Bisher ist keine englische Fassung verfügbar.

Linke wie auch grüne Konzepte zum Grundeinkommen verheißen Ausstiege aus der sich weltweit verschärfenden Armut von Menschen und einer rücksichtslos die natürlichen Grundlagen plündernden Wirtschafts- und Lebensweise.

Zwei weitreichend entwickelte Konzepte eines Grundeinkommens werden in Hinblick auf ihre Potenziale für eine nachhaltig soziale und umweltgerechte Gesellschaft näher betrachtet und mögliche Synergien herausgearbeitet. Im Konzept des Ökologischen Grundeinkommens (Ulrich Schachtschneider), Vertreter eines „grünen“ Konzeptes, ist die Kernidee ein an alle Bürger*innen ausgezahlter „Öko-Bonus“, der über die Besteuerung von ressourcenaufwendiger Produktion und Umwelt belastendem Konsum finanziert wird. Durch ein ÖGE können individuelle Freiheiten entstehen, die ein Leben und Wirtschaften jenseits ständigen Wachstums- und Konkurrenzdrucks möglich machen. Auch Auswege aus den Sackgassen von gängiger Umwelt- und Klimapolitik könnten leichter gefunden werden.

Während ein ÖGE ein Grundeinkommen in Existenz und gesellschaftlicher Teilhabe sichernder Höhe nicht garantieren kann, bildet diese Forderung den Kernpunkt im Konzept der Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in der Partei DIE LINKE. Die Vertreter*innen dieses emanzipatorisch wirkenden Konzeptes setzen bei einem existenzsichernden Grundeinkommen sowie sozial- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen an (Bürger*inversicherung, Arbeitszeitverkürzung, Mindestlohn). Das eBGE soll Existenzängste nehmen und den Weg frei machen für Diskussionen darüber, welche Folgen heutiges Wirtschaften und Arbeiten hat und wie die Gesellschaft sozial und ökologisch verantwortbar produzieren und konsumieren soll. Durch höhere Besteuerung von Einkommen und Vermögen, u.a. durch Ressourcensteuern und weiteren Abgaben soll ein Umdenkungsprozess und eine Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums initiiert werden.

Beide Konzepte bieten konkrete Umsetzungsschritte, die der gegenwärtigen Sackgassen-Politik etwas Zukunftsweisendes entgegen halten. In diesem Vortrag respektive Workshop geht es um die Fragen, welche ökologischen Elemente das rote Konzept und welche nachhaltigen sozialen Ansätze das grüne Konzept integrieren sollte, um als stabile Bausteine einem sozialen und ökologischen Umbau der Gesellschaft reale Chancen geben zu können.

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Basic income for a fairer society?

Csaba Toth

Die englische Fassung finden Sie hier

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